Arztbesuch bei WadenkrämpfenProfessionelle Hilfe – Therapiemöglichkeiten des Arztes

„Mit einem Wadenkrampf zum Arzt?“, das klingt für den einen oder anderen vielleicht etwas übertrieben und so wird zunächst mit einem Hausmittel versucht, die Krämpfe in den Griff zu bekommen. Doch bei schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen ist der Gang zum Arzt durchaus gerechtfertigt. Nur der Mediziner kann mit weiterführenden Untersuchungen die mögliche Ursache herausfinden und effektive Behandlungsmöglichkeiten empfehlen.

Die Ursache bestimmt die Therapie

Als Ursachen für Wadenkrämpfe kommen u. a. Vorerkrankungen, Haltungsfehler oder ein möglicher Nährstoffmangel bei Überanstrengung in Frage. Alkohol- und Tabakkonsum können ebenfalls nächtliche Krämpfe begünstigen. Und manchmal tritt der Wadenkrampf auch ohne eine klare Ursache auf. Auch in diesem Fall stehen dem Arzt wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Wichtig für die Diagnosestellung und die anschließende Therapie ist das ausführliche Gespräch mit dem Arzt. Hierauf können Sie sich optimal vorbereiten. Auf unserer Website stehen Ihnen zum Download unsere Checkliste und das Schmerztagebuch zur Verfügung. Darüber hinaus erfahren Sie hier, welche weiteren Untersuchungen möglichwerweise auf Sie zukommen und ob bzw. welche Therapiemöglichkeiten dem Arzt für die individuelle Behandlung zur Verfügung stehen. 

Das Arzt-Patienten-GesprächGemeinsam die richtige Behandlung gegen Wadenkrämpfe finden

Ein ausführliches Arztgespräch ist die Grundlage der Diagnostik. Mit Fragen zu Ihrem Allgemeinbefinden, zu möglichen Grunderkrankungen oder außergewöhnlichen körperlichen Belastungen (wie z. B. beim Sport) wird er zunächst versuchen, die Ursache Ihrer Wadenkrämpfe näher einzugrenzen. Anhand des Gesprächs kann der Arzt ggf. weitere Untersuchungen anordnen, um eine eindeutige Diagnose zu stellen und eine gezielte Behandlungsmethode gegen die Muskelkrämpfe zu finden.

Welcher Arzt kann helfen?

Erster Ansprechpartner bei schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen ist Ihr Hausarzt. Dieser ist in der Regel mit Ihrer Krankengeschichte, eventuell vorliegenden Grunderkrankungen und den Medikamenten, die Sie einnehmen, vertraut. Möglicherweise wird er Sie an einen Facharzt überweisen, wenn eine weiterführende Diagnostik, also zusätzliche Untersuchungen notwendig sind. Dabei kann es sich um einen Facharzt für Neurologie handeln, wenn er eine Nervenstörung vermutet, bei Muskelerkrankungen oder Sportverletzungen kann ein Orthopäde ergänzend zu Rate gezogen werden.

Welche Informationen braucht Ihr Arzt?

Der Arzt wird einige Fragen stellen, um die jeweilige Ursache für die Wadenkrämpfe zu ermitteln. Daher kann es für Sie hilfreich sein, sich auf das Gespräch vorzubereiten. So müssen Sie bei seinen Fragen nicht lange überlegen, sondern haben die Antworten gleich parat.

Sie sollten Ihrem Arzt z. B. möglichst genau schildern:

  • wann und wie oft die Wadenkrämpfe auftreten,     
  • wie lange die Krämpfe anhalten,
  • welche Muskeln sich genau verhärten,     
  • was Sie bereits gegen Ihre Wadenkrämpfe unternehmen.

Sollten in Ihrer Familie bereits Waden-krämpfe vorkommen, teilen Sie auch dies Ihrem Arzt mit. Selten kann eine erblich bedingte Nerven- oder Muskelstörung der Auslöser für die Wadenkrämpfe sein.

Auch körperliche Aktivitäten, Trink- und Ernährungsgewohnheiten, Alkohol- und Tabakkonsum können nächtliche Krämpfe begünstigen. Daher ist es wichtig – auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht relevant scheint – Ihrem Arzt besondere Gewohnheiten und Auffälligkeiten mitzuteilen, z. B. auch, wenn Sie in der letzten Zeit vermehrt geschwitzt haben oder häufig Wasser lassen mussten. Das Gleiche gilt für (Brech-)Durchfälle.

Behandlungsmethoden bei Waden- und MuskelkrämpfenDiese Möglichkeiten hat der Arzt 

Auch wenn Ihre eigenen Behandlungsversuche erfolglos sind, kann der Arzt Ihnen sicherlich helfen. Grundsätzlich wird er den Therapieansatz je nach Ursache der Muskelkrämpfe auswählen.

Ursache: Magnesiummangel

Stellt der Arzt einen Magnesiummangel als Auslöser für die Wadenkrämpfe fest, kann durch die Einnahme spezieller Magnesiumpräparate eine Besserung der Wadenkrämpfe herbeigeführt werden. Magnesium ist als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.

Magnesiumprodukte sind häufig überdosiert

Das ergab eine Untersuchung der Verbraucherzentralen. Demnach enthielten 27 der 42 untersuchten Nahrungsergänzungsmittel eine höhere Menge Magnesium als die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Tageshöchstdosis in Nahrungsergänzungsmitteln von 250 mg.1 

Wichtig zu wissen: 

  • Magnesium kann nur dann gegen Muskelkrämpfe wirken, wenn tatsächlich ein Magnesiummangel besteht und Auslöser der Krämpfe ist.2-5
  • Magnesiumpräparate dürfen nicht gemeinsam mit Zink oder Calcium eingenommen werden, weil der Körper Magnesium sonst nicht verwerten kann. Weiterhin können Phosphate (z. B. in Schmelzkäse, Wurstwaren) und Oxalate (z. B. in Rhabarber) die Aufnahme von Magnesium hemmen, und chronischer Alkoholkonsum kann die Ausscheidung von Magnesium über den Urin fördern.
  • Bei einer Magnesium-Überdosierung (ab 300 mg pro Tag) kann es zu Durchfällen und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu gefährlichen Nebenwirkungen (bei einer Dosis über 2500 mg pro Tag), wie Blutdruckabfall oder Muskelschwäche kommen.   
  • Besonders bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion besteht das Risiko einer Magnesiumüberdosierung, weil ihr Körper überschüssiges Magnesium nicht einfach wieder vollständig ausscheiden kann.

Ursache: Durchblutungsstörungen

Durchblutungsfördernde Salben, zum Beispiel auf Arnika-Basis, aber auch die Wärme einer Wärmflasche, die man sich unter die Beine legt, können bei Wadenkrämpfen als ergänzende Maßnahmen eingesetzt werden und Linderung verschaffen. 

Ursache: andere Grunderkrankungen

Bei Gefäßerkrankungen (z. B. Thrombosen der tiefen Beinvenen oder Krampfadern), bei Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Nierenerkrankungen) oder bei erblich-bedingten Nerven- oder Muskelkrankheiten (die mehrere Nerven betreffen bzw. zu Muskelschwäche führen können z. B. Polyneuropathie), ist die Behandlung der Grunderkrankung durch einen Facharzt das primäre Ziel und kann sekundär auch eine Besserung der Muskelkrämpfe herbeiführen.

Gut zu wissen:

  • Der Arzt kann Ihnen auch sagen, ob eventuell sogar das Medikament selbst die Ursache für die Wadenkrämpfe sein kann.
  • So können z. B. Diuretika (harntreibende Arzneimittel), Abführmittel oder ACE-Hemmer (bei Bluthochdruck) Wadenkrämpfe auslösen.

Ursache: Haltungsfehler

Verspannungen z. B. durch eine ungünstige Schlafposition, können Sie selbst vermeiden oder mit Dehnübungen entgegenwirken. Bei einem orthopädischen Hintergrund für Ihre Beschwerden, z. B. Haltungsfehler oder Fußfehlstellungen wie Senk-, Spreiz- oder Spitzfuß, wird Ihr Arzt Ihnen entweder spezielle Einlagen für die Schuhe und /oder Physiotherapie als Korrekturmaßnahme verschreiben. Durch gezielte Übungen und Mobilisierung können Fehlstellungen verbessert und Muskelkrämpfen vorgebeugt werden. Mit Übungen, die sich positiv auf die Wadenmuskulatur auswirken und die man leicht zu Hause ausführen kann, können Sie die Therapie zusätzlich unterstützen. 

Ursache: Störung des Elektrolythaushalts 

Bei starkem Flüssigkeitsverlust (z. B. durch Erbrechen oder Durchfall, aber auch bei starkem Schwitzen) oder bei zu geringer Flüssigkeitsaufnahme kann es zu einem Ungleichgewicht des Mineralstoffhaushaltes (Magnesium, Calcium, Kalium oder Natrium) kommen. In diesem Fall sollten Sie ausreichend Wasser oder isotonische Getränke zu sich nehmen. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung kann helfen, den Mineralstoffhaushalt auszugleichen. Reicht dies nicht aus, können Mineralstoffe auch in Form von Nahrungsregänzungsmitteln eingenommen werden. Dabei sind mögliche Wechselwirkungen der Präparate (auch mit Nahrungsmitteln) zu beachten.

Ursache: Nicht feststellbar

Kann der Arzt keine Ursache für die Wadenkrämpfe feststellen (sogenannter „idiopathischer“ Wadenkrampf), hat er die Möglichkeit, die Symptome des Krampfes ursachenunabhängig zu behandeln. Dazu verschreibt er z. B. ein Medikament, das die Erregbarkeit des Muskels verringert. 

Wichtig zu wissen: 

  • Die Medikamente sind nur auf Rezept erhältlich.
  • Die Dauer der Therapie wird in Absprache mit dem Arzt abgestimmt.
  • Was bei besonderen Patientengruppen zu beachten ist (z. B. mögliche Kontraindikationen in der Schwangerschaft), wie die Medikamente eingenommen werden, welche Wechselwirkungen (z. B. mit anderen Mediamenten) und Nebenwirkungen sie haben können, darüber informiert der Arzt. 

Checkliste zur Vorbereitung auf den Arztbesuch 

In der folgenden Checkliste finden Sie nochmals die relevanten Informationen zusammen-gefasst. Drucken Sie die Checkliste am besten aus, notieren Sie Ihre Anmerkungen und Fragen und nehmen Sie sie zum Arztbesuch mit.

  • Familiäre Veranlagung für Wadenkrämpfe 
     
  • Bisherige bzw. Grunderkrankungen (z. B. Nieren- oder Darmerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, orthopädische Probleme)
  • Sonstige Beschwerden (z. B. häufiges Auftreten von Durchfall, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, starke Müdigkeit o. Ä.)
     
  • Einnahme von Medikamenten (z. B. Diuretika, Abführmittel, ACE-Hemmer) 
Jetzt Checkliste downloaden

Ihr Arzt klärt Sie im Gespräch über Behandlungsmöglichkeiten bei Wadenkrämpfen auf.

Dokumentation im Schmerztagebuch

Mithilfe eines Schmerztagebuchs lassen sich Schmerzepisoden leicht festhalten.

Als zusätzliche Vorbereitung auf den Arzttermin können Sie das Schmerztagebuch zur Dokumentation Ihrer Muskelkrämpfe nutzen – einfach ausdrucken, gewissenhaft die Anzahl, Dauer und Schmerzstärke Ihrer nächsten nächtlichen Wadenkrämpfe eintragen und zum Arztbesuch mitbringen. Dies hilft Ihnen und Ihrem Arzt, die Intensität Ihrer Krämpfe zu beurteilen und eine geeignete Behandlung zu finden. Häufig verdrängt man die Intensität der Schmerzen und die Anzahl der Muskelkrämpfe nach einer Weile oder spielt sie herunter. Mit dem Schmerztagebuch haben Sie die Möglichkeit einer übersichtlichen Dokumentation und Sie selbst können besser den Überblick behalten. 

Mögliche Untersuchungen durch den Arzt

Oft kommt es im Anschluss an das Arztgespräch zu einer ausführlichen Untersuchung. Es ist möglich, dass der behandelnde Arzt auch die Blutwerte bestimmen möchte. Diese zeigen, ob zu wenige oder zu viele Elektrolyte, wie Magnesium, Calcium oder Natrium, im Körper vorhanden sind. Auch die Leber- und Nierenwerte sowie der Blutzucker können dazu beitragen, die Ursache der Wadenkrämpfe herauszufinden. Eine Hormonuntersuchung bietet sich manchmal ebenfalls an. Mit dieser Methode lassen sich z. B. Schilddrüsenerkrankungen erkennen. Durch diese Untersuchungen und die Auswertung der Ergebnisse kann der Arzt eine gezielte Therapie finden, um Ihre Wadenkrämpfe zu behandeln.

Sobald die Blutwerte aus dem Labor zurück sind, informiert Ihr Hausarzt Sie über die Ergebnisse.

  1. Marktcheck der Verbraucherzentralen, 2016 https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/sites/default/files/migration_files/media245957A.pdf 
  2. Garrison SR et al., Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database Syst Rev. 2012;12(9):CD009402. 
  3. Roffe C et al., Randomised, cross-over, placebo-controlled trial of magnesium citrate in the treatment of chronic persistent leg cramps. Med Sci Monit. 2002;8(5):CR326–30. 
  4. Sebo P et al., Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps: A Randomized Clinical Trial. Family Practice 2014;31(1):7–19. 
  5. Maor NR et al., Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2017;177(5):617–623.
Ursachen

Häufig sind die Ursachen der Wadenkrämpfe unklar – das kann sehr frustrierend und belastend sein.

Selbst­hilfe

Bei gelegentlichen Krämpfen kann sich die Durchführung einiger einfacher Übungen lohnen.

Service

Finden Sie hier hilfreiche Materialien, die Sie im Alltag und bei der Therapie unterstützen.