Nachbericht­erstattung zum
1. digitalen EVent

In Kooperation mit der Deutschen Schmerzliga e. V. und medial begleitet von dem Magazin „Brigitte“, veranstaltete die Patienteninitiative „Gute Nacht Wadenkrampf“ am 22. August 2020 ein digitales Event für Betroffene zum Thema nächtliche Wadenkrämpfe. Mehr als 60 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich an diesem Tag informative Vorträge rund um schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe anzuhören, und hatten außerdem die Chance, sich mit den Referenten sowie untereinander auszutauschen. Durch das Event führte Ulrike Borchert, Geschäftsführerin der Borchert & Schrader public relations GmbH.

Keine Lappalie: Hintergründe schmerzhafter nächtlicher Wadenkrämpfe

Den Auftakt der Vortragsreihe machte Jens-Oliver Koch, Brandmanager bei der Cassella-med GmbH & Co. KG und mitverantwortlich für die Patienteninitiative „Gute Nacht Wadenkrampf“. In seinem Vortrag gab er eine Einführung in das Thema nächtliche Wadenkrämpfe und einen Einblick in die Patienteninitiative „Gute Nacht Wadenkrampf“.
In Deutschland sind ca. 2,8 Millionen Menschen betroffen, von denen die Hälfte mehrmals pro Monat unter schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen leidet.1

Jens-Oliver Koch betonte, dass für viele Betroffene mit der Erkrankung auch ein langer Leidensweg beginnt, denn Wadenkrämpfe werden in der Bevölkerung nicht als ernsthafte Erkrankung wahrgenommen und selbst Ärzte reagieren häufig verharmlosend auf die Schilderung der Beschwerden.

Laut einer aktuellen Studie leiden Patienten im Durchschnitt 25,3 Monate, bis sie einen Arzt aufsuchen und eine Therapie initiiert wird.2

„Viele Betroffene fühlen sich nicht ernst genommen und erdulden den Schmerz teilweise über Jahre, ohne das Thema beim Arzt anzusprechen.“

Jens-Oliver Koch

Doch wie entstehen Wadenkrämpfe und wodurch werden sie verursacht? Jens-Oliver Koch erläuterte, dass die Ursachen vielfältig sein können und sich oftmals keine zugrunde liegende Ursache identifizieren lässt. Zu den möglichen Gründen für die Entstehung von schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen gehören u. a.:

orthopädische Probleme

Vorerkrankungen der Gefässe

Nerven- und Muskelkrankheiten

Alkohol

Störung des Hormonhaushaltes und Stoffwechselkrankheiten

Störung des Elektrolythaushaltes

Wie entsteht ein Wadenkrampf?

Bei einer beabsichtigten Muskelbewegung sendet das Gehirn über die Nerven einen Reiz, durch den die Muskeln zum Zusammenziehen (Kontraktion) angeregt werden. Bei einem Wadenkrampf tritt ein unbeabsichtigter Nervenreiz auf. Der Muskel zieht sich zunächst teilweise, dann ganz zusammen und schmerzt dabei sehr stark. Die Schmerzen sind beim nächtlichen Wadenkrampf besonders intensiv, da die Muskeln sich schlagartig und heftig zusammenziehen.

Auch auf das Thema Magnesium als mögliche Hilfe ging Jens-Oliver Koch
ein. Es kann dann bei schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen helfen, wenn ein Magnesium-Mangel besteht. Jedoch wiesen gemäß einer epidemiologischen Untersuchung nur rund 10 % der erwachsenen Bevölkerung einen erheblichen Magnesium-Mangel auf.3

Seinen Vortrag beendete er mit einem Einblick in die Ziele der Patienteninitiative „Gute Nacht Wadenkrampf“.

Diese sind u. a.:
 

  1. Sensibilisierung der Ärzte für die Erkrankung, da sich die Betroffenen oft
    nicht ernst genommen fühlen
  2. Schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe im Bewusstsein der Gesellschaft als ernstzunehmende Erkrankung etablieren
  3. Austausch zwischen den Betroffenen und Angehörigen fördern
  4. Über schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe umfassend zu informieren

Umfrage an die Teilnehmer

Die Teilnehmer des digitalen Events wurden aktiv durch eine kleine Umfrage einbezogen. Diese bestand aus fünf Fragen zum Thema schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe. Von den befragten Teilnehmern gaben 75 % an, dass sie schon mehrere Jahre an nächtlichen Wadenkrämpfen leiden, und 59 %, dass sie aufgrund ihrer Beschwerden bereits einen Arzt aufgesucht hatten. Außerdem gaben mehr als ein Drittel (35 %) der Teilnehmer an, dass die nächtlichen Wadenkrämpfe ihren Alltag stark beeinflussen.
Bei 96 % wurde bereits ein Versuch mit Magnesium unternommen, allerdings stellte sich bei 66 % der Betroffenen keine Verbesserung ein.

Die Deutsche Schmerzliga e. V.

Daran anschließend sprach Heike Lippke, Geschäftsstellenleiterin der Deutschen Schmerzliga e. V. Sie gab einen Einblick in die Angebote und Aktivitäten des eingetragenen Vereins. Gegründet wurde die Deutsche Schmerzliga e. V. im Jahr 1990 von Schmerzärzten und -patienten in Frankfurt am Main.

Ihr Engagement gilt seit 30 Jahren dem Krankheitsbild „chronische Schmerzen“, worunter folgende Schmerzformen fallen:

  • Rückenschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Rheumatische Schmerzen
  • Nervenschmerzen
  • Tumorschmerzen

Um Patienten mit chronischen Schmerzen eine geeignete Versorgung zu ermöglichen, steht sie u. a. mit Politikern, Krankenkassen und Ärzteorganisationen im Dialog.

Heike Lippke informierte außerdem über das umfassende Angebot für Betroffene. Dazu zählen u. a.:
 

Annis persönlicher Leidensweg

Auch Anni K. berichtete als Betroffene von ihrem persönlichen Leidensweg mit schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen und teilte ihre Erfahrungen mit den Teilnehmern. Seit 40 Jahren leidet sie unter dieser Erkrankung, was ihren Alltag erheblich beeinträchtigte. Durch regelmäßige Dehnübungen und eine medikamentöse Therapie konnte sie ihre Schmerzen in den Griff bekommen und rät allen Betroffenen, sich bei zu hohem Leidensdruck umgehend an einen Arzt zu wenden und nicht aufzugeben.

Dehnübungen gegen die nächtlichen Krämpfe

Den letzten Vortrag des digitalen Events hielt Prof. Dr. Oliver Tobolski, Facharzt für Chirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie in Köln. Er erläuterte, wie man mit drei einfach durchzuführenden Dehnübungen schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen vorbeugen kann, und gab hilfreiche Tipps zur korrekten Durchführung. Alle Dehnübungen finden Sie auch als Videos hier.

1. Anziehen der
Zehen

2. Absenken der
Ferse

3. Zurücksetzen des Beines

Abschließend hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen und sich auszutauschen. Insgesamt war das 1. digitale Event zu schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen eine informative und gelungene Veranstaltung mit interessanten Vorträgen und vielen guten Fragen.

1. Data on File: GfK in Zusammenarbeit mit Klosterfrau: Nächtliche Wadenkrämpfe in Deutschland; im Oktober 2017.
2. Diener H-C, Baurecht W. MMW – Fortschritte der Medizin Oct 2019; 161 (Suppl 6): 24–31.
3. Vormann J. Physiologie und Pathophysiologie von Magnesium. Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2010; 1: 8–13.