Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft und StillzeitViele Frauen sind betroffen

Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft an Wadenkrämpfen. Besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte reißen die stark ziehenden Schmerzen werdende Mütter oft unsanft aus dem Schlaf. Denn die Verkrampfungen, die nicht nur die Beine, sondern auch die Füße und das Gesäß betreffen können, treten meist nachts auf, und meist wirken sie durch Verhärtungen der Muskulatur noch bis in den Tag hinein nach. Leider ist auch während der Stillzeit oft noch nicht Schluss mit den Krämpfen in der Wadenmuskulatur. Denn jetzt kommen weitere Faktoren hinzu, die die Neigung zu Wadenkrämpfen begünstigen können.

Warum sind Schwangere so oft von Wadenkrämpfen betroffen?Oft Hinweis auf Magnesiummangel

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Magnesium. Zum einen übernimmt der Mineralstoff zusätzliche Aufgaben, um das gesunde Heranwachsen des Kindes zu unterstützen, zum anderen wird Magnesium aufgrund der hormonellen Veränderungen vermehrt über den Urin ausgeschieden. Ein Mangel an Magnesium wirkt sich wiederum negativ auf die Balance zwischen Anspannung und Entspannung der Muskulatur aus und kann somit zu Wadenkrämpfen führen.

Von der DGE empfohlene Tagesmenge an Magnesium:

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)1 empfiehlt schwangeren Frauen die Einnahme von 310 Milligramm Magnesium am Tag. Für nichtschwangere Frauen zwischen 25 und 51 Jahren liegt die empfohlene Tagesmenge bei 300 Milligramm.

Nicht immer ist es zu wenig Magnesium

Neben einem Magnesiummangel können sich auch andere Faktoren ungünstig auf die Neigung zu nächtlichen Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft auswirken:

Meist sind die Wadenkrämpfe harmlos und lassen sich durch einfache Maßnahmen, wie Bewegung und Massagen, schnell wieder lösen. Dennoch ist es ratsam, und für die werdende Mutter sicherlich auch beruhigend, bei häufigen und länger dauernden Wadenkrämpfen einen Arzt aufzusuchen, um eine seltenere Ursache und ein Thromboserisiko auszuschließen.

Was können Schwangere gegen Wadenkrämpfe unternehmen?Vorbeugen und Gegenmaßnahmen ergreifen

Der Kampf gegen den Krampf kann schon beginnen, bevor er entsteht – mit vorbeugenden Maßnahmen. Setzen Sie vermehrt magnesiumreiche Lebensmittel auf den Speiseplan. Dazu gehören beispielsweise Vollkornprodukte, Nüsse, Haferflocken, Erbsen und Bananen. So unterstützen Sie nicht nur den Stoffwechsel Ihrer Muskulatur, sondern auch die Entwicklung Ihres Kindes.

Dafür braucht das Kind u. a. Magnesium:

Zellteilung und Herstellung von Eiweiß

Stoffwechsel und Körperwachstum

Entwicklung der Knochen

Aufbau und Entwicklung des Nervensystems

Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und tut den Muskeln gut. Spazieren gehen, schwimmen oder mit den Beinen durchs Wasser stapfen, aber auch kleinere Radtouren reichen aus, um die Wadenmuskulatur zu stärken und Wadenkrämpfen vorzubeugen. Schlaf- und Sitzpositionen, in denen die Muskulatur überstreckt oder eingeklemmt wird, wie zum Beispiel beim Beineübereinanderschlagen, sollten vermieden werden. Und im Sommer kann es für die Füße entspannend sein, auch mal die engen Schuhe wegzulassen und barfuß zu gehen.

Reicht die Magnesiumzufuhr über die Nahrung nicht aus, kann unterstützend auf ein Nahrungsergänzungsmittel zurückgegriffen werden. Hier ist es ratsam, den Hausarzt aufzusuchen, um mit ihm ein geeignetes Magnesiumpräparat abzustimmen. Ist der Krampf erstmal da ist, heißt es Gegenmaßnahmen ergreifen, um die ziehenden Schmerzen so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Die Dehnung der Wadenmuskulatur ist eine erste hilfreiche Maßnahme. Auch aufstehen und hin und her laufen kann Entspannung bringen. Mit sanften Massagen, Wärme (in Form einer Wärmflasche) und Entspannungsübungen kann die Muskulatur gelockert werden.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Vermehrt magnesiumreiche Lebensmittel
  • Regelmäßige Bewegung und Barfußlaufen (im Sommer)
  • Ungünstige Schlaf- und Sitzpositionen vermeiden
Das kann helfen, wenn der Krampf erstmal da ist:

 

  • Dehnungsübungen, Strecken und Gehen
  • Sanfte Massagen und ganzheitliche Entspannung
  • Wärmezufuhr (Wärmflasche)

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt:

Diese Mittel sollen in der Schwangerschaft vermieden werdenRisiko frühzeitiger Wehen

Medikamente, die Chinin enthalten, können die Entwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen und frühzeitig Wehen auslösen. Sie sind in der Schwangerschaft unbedingt zu vermeiden. Stattdessen wird werdenden Müttern hoch dosiertes Magnesium zur Einnahme verschrieben. Da Chinin auch in die Muttermilch übergeht, dürfen Medikamente mit diesem Wirkstoff auch in der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Ätherische Öle werden zwar auch gerne als Hausmittel gegen Wadenkrämpfe eingesetzt, in der Schwangerschaft sind viele von ihnen aber absolut tabu. Zu den ätherischen Ölen, die gänzlich vermieden werden müssen, gehören Anis, Fenchel, Rosmarin, Kampfer, Thymian, Thymol, Gewürznelke, Oreganum, Salbei, Zimt, Thuja, Basilikum, Eisenkraut (Zitronenverbene) und Kardamom.2,3 Sie können stark anregende oder durchblutungsfördernde Verbindungen enthalten oder wirken sogar wie Hormone und können frühzeitig Wehen auslösen. Auch in der Stillzeit sollten Sie zwei Stunden vor dem Stillen auf hohe Dosierungen jeglicher Essenzen in Massageölen, Bädern und Inhalationen verzichten.

Informieren Sie sich auf jeden Fall bei Ihrem Arzt, welche Präparate und Anwendungen gegen Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft und Stillzeit geeignet sind und welche Sie gänzlich vermeiden sollten.

Wadenkrämpfe in der StillzeitNach der Geburt ist der Magnesiumbedarf noch höher

Das Neugeborene wird nach der Geburt über die Muttermilch mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Dazu gehören Antikörper und Vitamine, Zucker und Eiweiß, aber auch Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium. Die stillende Mutter muss also in dieser Zeit nicht nur ihren eigenen Bedarf decken, sondern auch einen nicht unerheblichen Teil an ihr Kind weitergeben. Das ist einer der Hauptgründe, warum ihr Tagesbedarf an Magnesium sogar noch höher liegt als in der Schwangerschaft.

Auch in der Stillzeit auf erste Signale achten:

In der Stillzeit steigt der tägliche Magnesiumbedarf (von 310 Milligramm in der Schwangerschaft) um 30 % auf 390 Milligramm. In 100 ml Muttermilch sind durchschnittlich 3 Milligramm Magnesium enthalten.1 Auch stillende Frauen sollten daher auf die ersten Signale eines Magnesiummangels, wie z. B. Muskelkrämpfe, achten, um die eigene und die Magnesiumversorgung ihres Kindes sicherzustellen.

1 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
2 Zimmermann E: Aromatherapie. Die Heilkraft ätherischer Pflanzenöle, Irisiana im Heinrich Hugendubel Verlag. München, 2008. München
3 Stadelmann I: Aromatherapie von der Schwangerschaft bis zur Stillzeit. 3. Auflage. Stadelmann Verlag. Wiggensbach, 2015